Von der Diagnostik zur individuellen Therapie

Warum ist eine differenzierte Diagnostik so wichtig?

Am offensichtlichsten wird dies, wenn wir Abnutzungen an der Wirbelsäule oder den Bandscheiben betrachten. Sowohl wissenschaftliche Studien, als auch die Beobachtung bei vielen unserer Patienten zeigen, dass zum Teil gravierende Abnutzungen bestehen können, ohne dass diese Menschen jemals damit zusammenhängende Beschwerden hatten.

So haben beispielsweise ungefähr die Hälfte aller Menschen mit Bandscheibenvorfällen im HWS- oder Nackenbereich keine Beschwerden.

Zunächst scheinbar klare Zusammenhänge sind in der genauen Prüfung dann oft doch nicht so eindeutig. Die große Gefahr besteht darin, dass man sich von dem ersten Eindruck einer Abnutzung so beeinflussen lässt, dass die ganze Therapie darauf ausgerichtet wird.
Nicht selten führt dies dazu, dass ein Bandscheibenvorfall operiert wird, obwohl er überhaupt nicht für die Beschwerden verantwortlich ist und der Patient danach die gleichen Beschwerden hat wie vorher.

Warum ist das so? In erster Linie: Wir Menschen sind kein isoliertes mechanisches Konstrukt, sondern sehr komplexe Wesen mit vielen, sich gegenseitig beinflussenden Regelsystemen.

Körperliche Veranlagung, Bewegungssystem, Nervensystem, Schmerzsystem, emotionales System, Hormonsystem einerseits und Belastungen, Alterungsprozesse, Tätigkeiten und Lebensumstände andererseits sind dabei, je nach Mensch und Situation, in unterschiedlicher Intensität wirksam. Ein Bandscheibenvorfall ist dann nur ein kleiner Teil eines Subsystems des ganzen Menschens.

  • Die Anatomie (Struktur) ist die Basis jeder Bewegung und Haltung.
    Aber, nur mechanisches Denken war vorgestern.
  • Die Art und Weise wie gut die einzelnen Strukturen miteinander harmonieren (Funktion) ist entscheidend.
    Was nützt das schönste Auto, wenn es nicht richtig fährt?
  • Unsere Individualität (Steuerung) modelliert alle Faktoren.
    Kein Mensch bewegt sich, hält sich, lebt wie ein anderer.
  • Unser Lebenssinn (Wesen) steht über allem.
    Letztlich wird alles von unserem inneren Befinden gesteuert.

Nur mit einer genauen Analyse in den Bereichen Struktur, Funktion, Steuerung und Wesen können wir die wirklichen Ursachen Ihrer Beschwerden erkennen und dann nachhaltig behandeln. Um eine Übersicht der häufig in komplexer Wechselwirkung stehenden beschwerdeauslösenden Faktoren zu bekommen, haben wir den QIMOTO Nackenindex entwickelt.

Was und wie wir untersuchen und die Behandlungen, die wir für Sie anbieten finden Sie unter "Leistungen".

Beispiele zur Auswertung des Nackenindex

Beispiel 1

stark auffällig (rot):

  • Struktur: Erhebliche Abnutzung an den Bandscheiben und Wirbelkörpern, verhärtete Muskulatur und Faszien
  • Steuerung: Sehr hohe Arbeitsbelastung (PC/Telefon/Auto)

leicht auffällig (gelb):

  • Funktion: Leicht eingeschränkte Beweglichkeit
  • Steuerung: Verminderte Regeneration

Indexergebnis = Abnutzung/ Arthrose

Im Vordergrund für die Ursache der Nackenschmerzen stehen die Abnutzungen an der Halswirbelsäule. Es gibt keine wesentlichen Hinweise auf relevante zusätzliche Faktoren.

Aus den Ergebnissen lässt sich schließen, dass primär Behandlungen der arthrotischen Veränderungen hilfreich sind.
Neben Physiotherapie ggf. auch lokale Injektionen.
Weiterhin: Manuelle Therapie, Faszienbehandlung und gezieltes Muskelaufbautraining der HWS-stabilisierenden Muskulatur.

Beispiel 2

stark auffällig (rot):

  • Funktion: Deutliche Überbeweglichkeit, Kraftminderung der Nackenmuskeln, zu gerade Haltung, verminderte Koordination

leicht auffällig (gelb):

  • Struktur: Im Unterbereich umgebende Strukturen besteht eine Störung im Kiefergelenk

Indexergebnis = Funktionelle Instabilität

Im Vordergrund für die Ursache der Nackenschmerzen stehen die ausgeprägten Funktionsstörungen.
Typischerweise Verspannungen und Schmerzen, die immer wieder mit Manualtherapie und Massage behandelt werden und meist im klassischen Röntgen und MRT keine klaren Befunde aufwesien.

Aus den Ergebnissen lässt sich schließen, dass passive Behandlungen wie Massage oder Manualtherapie hier nicht helfen können. Zumeist muss erst die Haltung verbessert und die Ansteuerung der Muskulatur wieder neu erlernt werden. Zur besseren Stabilisierung der Wirbelsäule ist dann ein Konzepttraining der Nackenmuskulatur erforderlich.

Beispiel 3

stark auffällig (rot)

  • verschiedene Aspekte aus allen 3 Bereichen, im Vordergrund steht meistens ein chronischer Schmerz, zum Teil mit Überempfindlichkeit der Haut, Schwächegefühl des Nackens, zum Teil mit Ausstrahlung der Schmerzen in Gesicht und Arme, oft aber auch mit weiteren Beschwerden an der Wirbelsäule verbunden.

leicht auffällig (gelb)

  • es bestehen kleine Veränderungen an den Bandscheiben, sowie eine gewisse Kraftminderung die sich auch auf die Haltung auswirkt.

Indexergebnis = Komplexes Schmerzsyndrom

Es besteht eine chronische Schmerzsymptomatik und zum Teil starke Schmerzreaktion schon auf kleinere Belastungen. Dies kann dazu führen, dass selbst leichte Behandlungen Schmerzen hervorrufen.

Aus den Ergebnissen lässt sich schließen, dass einzelne Behandlungen hier nicht mehr helfen können. Diese Schmerzsymptomatik kann meist nur im Rahmen einer multimodalen Behandlungsstrategie erfolgreich verbessert werden. Dabei müssen verschiedene Behandlungen parallel erfolgen und engmaschig auf Erfolg kontrolliert werden.

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