QIMOTO NACKENINDEX

Von der Diagnostik zur individuellen Therapie: 4 "Brillen" zum besseren Verstehen


Für eine wirkungsvolle Therapie müssen wir Nackenbeschwerden aus verschiedenen Blickwinkeln untersuchen, im übertragenen Sinn also Ihre Beschwerden mit verschiedenen Brillen analysieren.
Nach unserer Erfahrung lassen sich die Beschwerden am besten verstehen, wenn wir dabei die 4 wichtigsten Perspektiven oder Fachrichtungen gleichzeitig berücksichtigen.

In der Gesamtbetrachtung der Ergebnisse können wir dann ein individuell auf Ihre Situation zugeschnittenes Therapieprogramm festgelegen.

STRUKTUREN - die orthopädische Brille

Unter strukturellen Ursachen verstehen wir Abnutzungen, selten auch Fehlbildungen, der anatomischen Strukturen. Die ausführlichen wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema zeigen jedoch, dass bei vielen Menschen degenerative Veränderungen an Wirbelkörpern und Bandscheiben, sogar Nerveneinengungen vorliegen, aber nur ein geringer Teil dieser Menschen Beschwerden hat.
Wir wissen aus der Beobachtung, dass der Körper mit sehr vielen Abnutzungen und Strukturstörungen gut zurechtkommt und kompensieren kann. Es müssen deshalb zusätzliche Faktoren, wie z.B. eine lokale Entzündung, Stress, eine plötzliche Überlastung o.ä. hinzukommen, um Beschwerden auszulösen.

Wirbelsäule

Hierunter fassen wir die anatomischen Anteile der Halswirbelsäule zusammen 

  • Wirbelgelenke (Facettengelenke)
    Die kleinen Wirbelgelenke können, ebenso wie die großen Gelenke (Knie, Hüfte), abnutzen und zu Arthrose mit begleitenden Entzündungen und Belastungsschmerzen führen.
  • Bandscheiben
    Bandscheibenveränderungen wie Vorfall oder Vorwölbung können Nervenirritation oder Reizungen der umgebenden Strukturen hervorrufen.
  • Nerven
    Auch Entzündungen der Nerven oder Nervenknoten können Nackenschmerzen auslösen.
  • Nervenkanäle 
    Eine Einengung der Nervenkanäle z.B. durch einen Bandscheibenvorfall oder Abnutzung der Wirbelkörper, erklärt ausstrahlende Schmerzen in die Arme oder Beschwerden bei bestimmten Bewegungen

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Wenn höhergradige lokale (strukturelle) Abnutzungen oder damit verbundene Entzündungen bestehen, ist zumeist auch eine lokale Therapie erforderlich. Dies können entzündungshemmende Medikamente, gezielte Injektionen, Akupunktur, manchmal aber auch eine Operation sein.

Muskeln

Auch Muskeln können sich, z.B. durch Fetteinlagerung oder Rückbildung, in ihrer Struktur verändern. Für den Nacken besonders wichtig ist eine Veränderung des vorderen Halsmuskels, die, wenn der Muskel besonders stark ausgeprägt ist, auf eine Überaktivität hinweisen kann.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Bei strukturellen Veränderungen des Muskels wie Rückbildung oder Fetteinlagerung ist dies manchmal nur begrenzt umkehrbar. Auf jeden Fall muss der Versuch eines intensiven Krafttrainings, allerdings unter sehr vorsichtigen und unter sehr kontrollierten Bedingungen erfolgen. Denn die Muskelfasern verbessern sich nur wenn sie durch Maximalkraft gefordert werden. Mit kleineren Übungen oder Dehnungen lässt sich keine Verbesserung erreichen.

Faszien, Bindegewebe

Auch die Faszie kann in ihrer Struktur durch Ultraschall untersucht werden.
Auffälligkeiten im Nacken beziehen sich fast immer auf die Faszie des vorderen Halsmuskels (M. sternocleidomastoideus).

  • Triggerpunkte
    Typische Folgen einer chronischen oder gravierenden Fehlbelastung sind Verhärtungen innerhalb des Muskels, die sich bei längerem Bestehen oft nicht allein zurückbilden.
  • Bindegewebe
    Bei Verspannungen und Verhärtungen des Bindegewebes, insbesondere bei Verklebung der Fascien der BWS, ist eine Fehlbelastung der Halswirbelsäule die Folge.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Triggerpunkte können gut durch fokussierte Stoßwelle, bestimmte Akupunkturformen („Dry Needling“) oder Neuraltherapie behandelt werden.
Verfestigungen des Bindegewebes sprechen gut auf Stosswelle, Schröpf- und Bindegewebemassage an.

 

Statik

Die Position des Beckens und des unteren Rückens bestimmt die Position des Nackens und der Halswirbelsäule. Bei Fehlhaltung der Lendenwirbelsäule können Beschwerden des Nackenbereiches resultieren. Hier wirken strukturelle und funktionelle Faktoren zusammen. Im Einzelfall ist eine Unterscheidung, inwieweit die Statik mehr durch ungünstige Muskelaktivität oder mehr aufgrund von Fehlbildungen der Wirbelkörper oder des Beckens entsteht, nicht immer sicher möglich.

Bei einem Becken-Schiefstand, z.B. durch eine unterschiedliche Beinlänge, ist dies, auch wenn das von vielen Physiotherapeuten behauptet wird, nicht durch Übungen oder Dehnungen zu verbessern. Leider bestehen zu diesem Thema viele falsche Vorstellungen, selbst bei Physiotherapeuten und Ärzten. Eine ausführliche Beschreibung finden Sie auf unserer Webseite der Praxis.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Bei jeder Fehlstatik passt der Körper mit der Zeit Muskel und Bändern an, sodass immer auch eine Verbesserung durch Kräftigung bzw. Dehnung erfolgen kann. Bei einer relevanten Fehlstellung von Becken und Wirbelsäule ist oft eine Einlage (unterschiedlich zwischen rechts und links) hilfreich.

Beweglichkeit Brustwirbelsäule


Die Beweglichkeit der Brust- und Lendenwirbelsäule hat Auswirkung auf die Belastung der Halswirbelsäule. Bewegungseinschränkungen oder Verspannungen der Brustmuskulatur können zu einer Überforderung der Halswirbelsäule führen.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Oftmals lässt sich die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule durch ein gezieltes Training, Manualtherapie, Dehnungen, bei Verhärtung des Bindegewebes auch durch Bindegewebsmassage, deutlich verbessern.

Haltung


Eine zu gerade Haltung der Halswirbelsäule (Streckfehlhaltung) belastet Bandscheiben und Wirbelgelenke. Wichtiger ist die damit verbundene ungünstige Aktivierung der tiefen und oberflächlichen vorderen Halsmuskulatur. Fehlhaltungen wie zu starke Oberkörpervorlage oder Schulterhochstand führen zu Fehlbelastungen der Nackenmuskulatur und der Halswirbelsäule.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Für eine Verbesserung der Streckfehlhaltung bedarf es eines gezielten Trainings, in dem insbesondere tiefe vordere Halsmuskulatur angesteuert wird. Die speziellen Übungen haben wir in unserem neurophysiologischen HWS-Stufentraining zusammengefasst.

Beweglichkeit der HWS


Eine eingeschränkte Beweglichkeit, besonders aber eine Überbeweglichkeit (meist angeboren), kann zu erheblichen Überlastungen der Halswirbelsäule führen.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

In den seltensten Fällen führt eine Bewegungseinschränkung zu relevanten Beschwerden. Für die viel schwieriger zu behandelnde Überbeweglichkeit sind sehr speziellen Übungen, die ein Verschieben der Wirbelkörper in der Übungsausführung vermeiden, wichtig. Die speziellen Übungen haben wir in unserem neurophysiologischen HWS-Stufentraining zusammengefasst.

Kraft


Bedingt durch unser überwiegendes Sitzen, PC-Tätigkeit, oder auch als Folge von chronischen Beschwerden kann sich eine erhebliche Minderung der Kraft der Nackenmuskulatur entwickeln. Dadurch ist die Stabilität der Halswirbelsäule reduziert und es entstehen vermehrt Blockierungen und weitere Verspannungen mit Schmerzen.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Im Gegensatz zur Lendenwirbelsäule lässt sich die Kraft der Nackenmuskulatur nicht ohne spezielle Kenntnisse im Fitnessstudio trainieren. Die Halswirbelsäule ist sehr empfindlich ist und die Übungen sollten immer von einem erfahrenen Therapeuten angeleitet und betreut werden. Es benötigt zudem sehr spezielle Geräte. Wir nutzen in unserer Praxis für das Krafttraining u.a. ein spezielles medizinisches Trainingsgerät und den Mastertrainer IRON NECK aus den USA.

Propriozeption und Bewegungsqualität


Die Propriozeption, das heißt die Feinsteuerung der Halswirbelsäule ist extrem wichtig. Gerade bei den vielen kleinen Bewegung die wir tagtäglich, z.B. beim Lesen am PC, durchführen. Hier muss die Muskulatur extrem fein koordiniert werden. Als Folge von chronischen Fehlbelastungen am PC können Veränderungen des Nervenmusters das die Muskeln aktiviert ("Software") entstehen.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Das Koordinations-Propriozeptionstraining für die tiefen Halsmuskeln, muss auch die Verbindungen zu den Augenmuskeln berücksichtigen. Hier hat sich in letzter Zeit besonders das Lasertraining bewährt. Zusätzlich sollten kleinere Bewegungsreize, z.B. durch Vibrationsgeräte (z.B. Galileo) oder Mini Motion erfolgen. Es ist Teil unseres HWS-Stufentraining.

Ansteuerung tiefe Halsmuskulatur


Es gibt viele Untersuchungen die nachweisen, dass bei Menschen mit chronischen Nackenschmerzen die Aktivierung der tiefen vorderen Halsmuskulatur gestört ist. Im Vordergrund steht hierbei das der oberflächliche Halsmuskel (M. sternocleidomastoideus) zu stark genutzt wird.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Hierzu bedarf es besonderer Erfahrung, die tiefen Halsmuskeln sind von außen nicht zu sehen, sodass bei den Übungen mit Hilfsmitteln gearbeitet werden muss. Besondere Bedeutung hat die Beobachtung des vorderen Halsmuskels (M. sternocleidomastoideus) mit EMG. Dieses Ansteuerungstraining ist Teil unseres neurophysiologischen HWS-Stufentraining.

CMD - Craniomandibuläre Dysfunktion


Eine vermehrte Aktivierung der Kaumuskulatur z.B. bei Bruxismus, Pressen, Knirschen oder Anspannung der Kaumuskeln unter Stress, kann bei bestimmten Patienten direkt zu Nackenverspannungen und bei chronischem Auftreten zu Verschleiß der Bandscheiben und Wirbelkörper beitragen. 

  • Zähne
    Neben der Bisssituation ist auch der Zahnzustand, insbesondere die Versorgung bei Plomben oder Inlays stark vom Material abhängig. Ebenso sind die Wurzelbehandlungen oder Materialinkompatibilität für die Spannung der Nackenmuskulatur von Bedeutung.
  • Kiefergelenk
    Störung des Kiefergelenkes können direkte Auswirkungen auf die Halswirbelsäule, insbesondere auf die vorderen tiefen und rückwärtigen Halsmuskeln, haben.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Durch gezielte Untersuchungen können wir unterscheiden, ob die Beschwerden mehr vom Kiefergelenk, der Kaumuskulatur oder dem Biss selbst entstehen.
Entsprechend der Untersuchungsergebnisse kann dann entschieden werden ob gezielte Übungen, Manualtherapie, Osteopathie oder eine spezielle, zunächst entkoppelnde, Aufbissschiene erfolgen sollte. Bei einer Problematik des Kiefergelenkes oder der Bisssituation ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Zahnarzt erforderlich, dieser muss Erfahrung mit CMD haben.
Eine nur die Zähne schützende Schiene macht keinen Sinn!

STEUERUNGSSYSTEME -  die Nervensystem- oder "Software"-Brille

Mindestens so wichtig wie die Funktionen sind unsere Steuerungssysteme. Hier läuft alles zusammen, denn die Muskulatur reagiert auf alles, was für unser Leben wichtig ist. Sie entspannt sich, wenn es uns gut geht. Sie spannt sich bei Stress, Unsicherheit und Gefahr an damit wir schnell reagieren können. In unseren Steuerungssystemen ist noch sehr viel aus der menschlichen Evolution vorhanden. In der Psychologie sprechen wir deshalb bei Stressreaktionen von Fight, Flight und Freeze.
Da diese Funktionen in unserem Mittel- und Stammhirn verankert sind, ist unser Bewusstsein dem hilflos ausgeliefert. Hier benötigt es andere Methoden! Die Selbst-, Hilfs- und Behandlungsmöglichkeiten können wir nur individuell in einem persönlichen Gespräch erörtern.

Schmerzsystem


In unserem Schmerzsystem laufen alle Steuerungssysteme zusammen. Besondere Bedeutung bei Nackenschmerzen haben die Phänomene Schmerzgedächtnis und Schmerzsensibilisierung. Bei einem Schmerzgedächtnis hat sich der Schmerz, ähnlich wie bei einem hohen Blutdruck, entkoppelt, dann führen lokale Reize zu einem Schmerz, obwohl das Gewebe vollständig gesund ist!
Bei der Schmerzsensibilisierung haben sich die Schmerzzellen und die weiterführenden Nerven übererregt. Ähnlich wie bei einer Allergie verstärken Sie normale Signale und rufen so im Schmerzhirn Signale (Schmerzen) hervor, ohne dass am Ursprungsort des Nervens im Nacken tatsächlich noch Veränderungen bestehen!

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Dies ist der schwierigste Bereich im ganzen Therapieprogramm. Denn die Veränderungen betreffen sowohl das autonome Nervensystem, den Sympathikus, wie auch das Autoimmunsystem und das Hormonsystem. Neben allgemeinen Maßnahmen, die wir in einer speziellen Anleitung zusammengestellt haben, ist es zumeist erforderlich die Blutwerte, Hormonsituation und das Schmerz-Verarbeitungssystem noch einmal ganz genau zu analysieren. Mit den Ergebnissen können dann individuelle Therapien besprochen werden.

Autonome Regulation

Sympathikus/Parasympathicus

Die Hauptregulation unseres autonomen Nervensystems erfolgt über den Vagusnerv. Das autonome Nervensystem steuert zu einem hohen Grad unsere Empfindlichkeit für Schmerzen. Je entspannter wir sind (hohe Aktivität des Parasympathicus), desto weniger schmerzempfindlich sind wir.
Je größer die Anspannung, desto empfindlicher reagieren wir auf Schmerzen, und die Wahrscheinlichkeit für chronische Schmerzen (Schmerzgedächtnis) steigt.
In den Bereich des autonomen Nervensystems fällt auch die Atmung:
Die Intensität der tiefen Ein - und Ausatmung ist verbunden mit einer An- und Entspannung der oberen Rücken und Nackenmuskulatur und des Zwerchfell, das Zwerchfell wiederum wird direkt vom Vagusnerv gesteuert.
Der Vagus verläuft zudem über markante Stellen im Bereich der oberen Halswirbelsäule und dem vorderen Halsmuskel, sodass von manchen Ärzten auch eine mechanische Irritation als Ursache von Beschwerden vermutet wird.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Das autonome Nervensystem ist in den letzten Jahren sehr gut erforscht worden. Es gibt viele Möglichkeiten den Parasympathicus/Vagus zu aktivieren. Viele Bücher und Hinweise finden Sie im Internet.
Für unsere Patienten haben wir die verschiedensten Möglichkeiten individuell zusammengestellt.

Schlaf


Bei Schlafdefizit oder schlechter Schlafqualität kann sich unser Nervensystem über Nacht nicht die nötige Erholung und Beruhigung verschaffen. Damit entstehen zusätzliche Stressbelastungen und unser Nervensystem wird empfindlicher für Schmerzreize und Fehlbelastungen.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Schlaftabletten und Alkohol können zwar das Einschlafen verbessern, die Schlafqualität ist, insbesondere mit Alkohol, deutlich verschlechtert. Es gibt Medikamente die die Schlafqualität ("Schlafarchitektur") nur gering beeinflussen, manchmal sind diese am Anfang, insbesondere bei länger bestehenden Schlafstörungen, unerlässlich. Daneben können pflanzliche Medikamente, Bewegung, bei Grübeln, aber auch psychologische Gespräche sehr hilfreich sein.

Emotionen


Viele Patienten mit chronischen Nackenbeschwerden berichten auch über eine innere Unruhe. Dies, oder innere Unzufriedenheit, Unglücklich sein, emotionale Verstimmungen, Depression, Angst oder Panik führen automatisch zu einer höheren Anspannung der Nackenmuskulatur.
Aber auch andersherum: Chronische Beschwerden drücken die Stimmung und lösen nicht selten Depression, davon ausgehend manchmal auch Angst und Panikattacken aus.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Das Wichtigste: Darüber sprechen. Entweder mit Freunden, dem Hausarzt oder uns. Manchmal reicht es bereits sich auszutauschen und zu erfahren, dass es anderen ähnlich geht. Manchmal benötigt es zusätzlich unterstützende Gespräche, bei einer Depression sind bestimmte Medikamente oft sehr hilfreich.
Vor allem: Nicht ein-igeln!

Stoffwechsel/Immunsystem


Innere Organe  Stoffwechselstörungen, Schilddrüsenerkrankungen, Entzündungen, Rheuma und andere Erkrankungen, sowie Medikamente, können Auswirkung auf die Muskulatur haben.
Bedeutung haben auch Blutdruckmittel („Sartane“) und Cholesterin-Senker („Statine“), die als Nebenwirkung Muskelschmerzen auslösen können.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Bei Beschwerden die durch Nebenwirkungen von Medikamenten wie Blutdruck-Senker oder Cholesterin-Senker entstehen, ist in Absprache mit dem betreuenden Arzt, immer auch ein Auslassversuch zu empfehlen. Bei Autoimmunerkrankungen, Allergien, Stoffwechsel- und Hormonstörungen ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Hausarzt oder dem Endokrinologen nötig. Besondere Bedeutung hat hierbei die Hashimoto-Thyreoiditis, die bei vielen unseren Patienten vorliegt und anscheinend starke Auswirkungen auf das Schmerzsystem hat.

INDIVIDUELLER KONTEXT - die persönliche Brille

Bewegung


Wie gehen Sie mit ihren alltäglichen Belastungen um? Nutzen Sie Bewegung oder sportliche Aktivitäten zur Entspannung? Ernähren Sie sich gesund und essen Sie in Ruhe? Auch diese Faktoren tragen wesentlich zu einer Entlastung oder Fehlbelastung der Nackenmuskulatur bei. Sie sollten deshalb bei jeder Therapie und Schmerzberatung berücksichtigt werden.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Unser Körper ist für Bewegung geschaffen. Selbst wenn Sie bei der Arbeit viel sitzen, können Sie durch Bewegungsausgleich die Muskulatur aus ihrer Erstarrung und Verspannung herausholen. Leider ist dies aber nicht mit einmal pro Woche Spazierengehen getan. Je mehr Sie Sitzen, je weniger Sie sich bewegen und je mehr Stress Sie haben desto mehr benötigen Sie ausgleichende Bewegungen. Das Minimum ist 30-50 Min/Tag!

Entspannung/Regeneration


Die persönliche Fähigkeit zur Entspannung und Regeneration wirkt sich direkt auf die Aktivität und die Spannung unseres Schmerzsystem aus. Fehlende Entspannung und Regeneration führt fast immer zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Zur Verbesserung der Entspannung haben sich Methoden bewährt die gleichzeitig verschiedene Regulationssysteme in unserem Körper ansprechen. Diese, zumeist aus der asiatischen Philosophie entstandenen Formen, kombinieren Konzentration, Atmung und Bewegung. So können Sie gleichzeitig unser Denken, das autonome Nervensystem, die Muskulatur und den Parasympathicus beruhigen:
Yoga, Tai Qi, Qi Gong, Aikido, aber auch mehr Kampf orientierte Formen (je nach Durchführung!) wie z.B. Taekwando, Jiu-Jitsu, King Fu. Eine hilfreiche, nicht asiatische, Methode sind auch die Bewegungen nach Moshe Feldenkrais.
Für alle Verfahren gilt, fast noch wichtiger als Methode ist der/diejenige die/der sie durchführt.

Arbeit


Langes Sitzen, Überlastungen oder ungünstige Arbeitsbedingungen können wesentliche Faktoren bei der Entstehung von Nackenverspannungen und Nackenschmerzen sein.
Besondere Bedeutung hat die Arbeit am PC, die monotone Sitzhaltung und die intensive Nutzung der Augen, sowie das künstliche Licht (besonders Blaulicht stört unseren Hormonhaushalt), führen zu weitreichenden Veränderungen in unserem Nerven- und Hormonsystem.

THERAPIEMÖGLICHKEITEN

Hier hilft nur leider nur eine Veränderung der Arbeitssituation an sich. Oft ist dies der entscheidende Punkt. Bei hoher Stressbelastung und 10-12 h PC-Arbeit pro Tag kann keine medizinische Behandlung die dabei entstehenden Fehlbelastungen, Muskelverspannungen und Entzündungsreaktion rückgängig machen. Außer sie nehmen Medikamente, um ihren Körper zu betäuben.
Eine Ergonomieberatung, ein ergonomischer Arbeitsplatz, mit öfterem Wechseln der Position (Sitzen, Stehen, Gehen) und regelmäßiger Sport kann aber ein guter Anfang sein und schon sehr entlastend wirken.