Faszien
- der verborgene Schlüssel zur Bewegungsintelligenz unseres Körpers

Bis vor wenigen Jahren fanden die Faszien, die bindegewebigen Hüllen die Muskulatur und Sehnen, aber auch die inneren Organe umgeben, in der Medizin keine weitere Beachtung.

In der Krankengymnastik und Osteopathie lernte man zwar das die Faszien verkleben können und Mobilisierung wichtig sei, eindeutige Untersuchungsergebnisse oder Zusammenhänge von Veränderung der Faszie zu bestimmten Beschwerden lagen jedoch nicht vor.

Dies änderte sich mit dem zunehmenden Interesse und den anatomischen Untersuchungen der Faszien dramatisch.
Schon bald stellte sich heraus dass die Faszien keineswegs nur eine langweilige äußere Hülle der Muskeln und Organe, wie eine Tüte in der man etwas hineinpackt, waren.
Insbesondere zwei Anatomie Professoren (S. Menze, Heidelberg, C. Stecco, Padua) konnten in den letzten Jahren richtungsweisende Studien zur Komplexität der Faszien und Störung der Faszienfunktion veröffentlichen.

Für die Praxis der Behandlung von Nacken-und Rückenschmerzen,
aber auch in der Behandlung der myofaszialen Schmerzen oder der Fibromyalgie,
bedeuten diese Ergebnisse eine radikale Erweiterung der Sichtweise.

Zunächst aber stellt sich heraus dass die Faszie kein einfaches Gewebe ist sondern aus mehreren Schichten besteht. Zwischen den Schichten befindet sich eine gleitfähige Bindegewebsschicht, die die Bewegung des Muskels, dass Gleiten gegenüber den anderen Geweben, erst möglich macht.
In den Studien von C. Stecco zeigte sich dass bei Rücken- und Nackenschmerzen 2 verschiedene Veränderungen an den Faszien, die Verdichtung und Fibrosierung, differenziert werden müssen.
Bei falscher Behandlung können stärkere Entzündungsprozesse entstehen die die Steifigkeit der Faszie verschlechtern.

Beispiele finden Sie hier.

 Anatomie der Faszien
- Flechtwerk und Gleitschicht

Faszien sind das Bindegewebe, das die Muskulatur und andere Organe umgibt und den Körper wie ein Flechtwerk durchzieht und verspannt.
Sie bestehen aus 2 oder 3 Faserschichten.
Zwischen diesen festeren Faserschichten befindet sich eine Gleitschicht die die Beweglichkeit der einzelnen Schichten gegeneinander möglich macht.
Die Faszien leiten auch die Blut-, Nerven- und Lymphgefäße. Sie bestimmen die Formgebung von Muskeln und Organen mit.
Die Faszien der Halswirbelsäule haben Verbindung zu anderen Daszien im übrigen Körper und können diese mit beeinflussen.

Funktion der Faszien
- intelligentes Bewegungsinterface

Die räumliche Trennung einzelner Strukturen ist zum einen für ein reibungsloses Funktionieren der Organe wichtig.
Die Faszien liegen nicht nur passiv auf den Muskel an, sondern sie kommunizieren über vielfältige Verbindungen zur äußeren Muskelschicht und können die Veränderung der Muskelaktivität damit an andere Bereiche des Muskels und über Gelenke hinaus an andere Muskeln und Körperregionen weiterleiten. Durch die unterschiedliche Faserrichtung wird ein optimales Netzwerk an koordinierter Bewegungaktivität ermöglicht.
Zum anderen unterstützt das fasziale Bindegewebe die Kraftübertragung einzelner Muskeln sowie die Stabilität des Körpers.
Die Elastizität der Faszien gewährleistet eine ausreichende Beweglichkeit der Organe des Körpers.
Besonders wichtig: Zahlreiche Rezeptoren der Faszien sowie die Verbindung zum Nervensystem tragen wesentlich zur Körperwahrnehmung bei.

Störungen der Faszien
- Verdichtung und Fibrosierung

Bei Störungen der Faszien unterscheiden wir Veränderungen der festeren Faserstruktur, diese kann sich verdickenden und noch fester werden (Fibrosierung).
Eine andere Form der Veränderung ist die Störung der zwischen den Faserblättern liegenden flüssigkeitsreichen Gleitschicht.
Die Viskosität (Gleitfähigkeit) kann durch Störung der Inhaltsstoffe in dieser Gleitschicht, insbesondere der Verklebung von Hyaluronsäure, massiv gestört sein.
Besonders deutlich wird dies bei der damit verbundenen Steifigkeit, die sich typischerweise durch wiederholte Bewegungen und Wärmeanwendungen
(dies löst die Blockierungen der Hyaluronsäure) verbessert.
Die Folgen sind Schmerzen, Steifigkeit, reduzierte Kraftentfaltung und Koordination.

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