Das cervikale Instabilitätssyndrom:
Eine kritische Betrachtung zwischen klinischer Realität und diagnostischer Herausforderung

Das "cervikale Instabilitätssyndrom" (CIS) bzw. die kraniocervikale Instabilität (CCI) hat in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit in der Orthopädie, Neurochirurgie und manuellen Medizin erlangt. Während einige Behandler dieses Syndrom als unterschätzte Ursache chronischer Nackenbeschwerden betrachten, bleibt die wissenschaftliche Evidenz zur diagnostischen Validität und therapeutischen Relevanz kontrovers. Dieser Artikel untersucht kritisch den aktuellen Wissensstand zu diesem umstrittenen Krankheitsbild.

Definition und Konzept

Unter zervikaler Instabilität wird im engeren Sinne eine pathologische Beweglichkeit der Halswirbelsäule verstanden, die zu neurologischen Symptomen, Schmerzen oder funktionellen Einschränkungen führt. Klinische Instabilität der Halswirbelsäule wird definiert als die Unfähigkeit der Wirbelsäule, unter physiologischen Belastungen ihr normales Bewegungsmuster aufrechtzuerhalten, ohne dass es zu neurologischen Schäden, Deformitäten oder beeinträchtigenden Schmerzen kommt.

Die Herausforderung beginnt bereits bei der Definition: Was genau ist "pathologische" Beweglichkeit? Die Halswirbelsäule weist physiologisch eine erhebliche Beweglichkeit auf, und die Grenzen zwischen normaler Variabilität und pathologischer Instabilität sind fließend. Die Unterscheidung zwischen der der Erkrankung innewohnenden Hypermobilität und echter pathologischer Instabilität, die eine Intervention erfordert, erschwert die chirurgische Entscheidungsfindung bei Patienten mit Ehlers-Danlos-Syndrom erheblich.

Diagnostische Problematik

Die Diagnose eines zervikalen Instabilitätssyndroms stützt sich typischerweise auf drei Säulen: klinische Untersuchung, bildgebende Verfahren und die Symptomatik des Patienten. Jede dieser Säulen weist jedoch erhebliche Limitationen auf.

Klinische Untersuchung

Verschiedene klinische Tests wurden vorgeschlagen, darunter der Sharp-Purser-Test, Flexions-Extensions-Tests und ligamentäre Stresstests. Die wissenschaftliche Literatur zeigt jedoch eine ernüchternde Datenlage bezüglich Sensitivität und Spezifität dieser Untersuchungsmethoden. Eine systematische Übersichtsarbeit ergab, dass die Spezifität von sieben Tests ausreichend war, die Sensitivität jedoch variierte, und statistische Zusammenfassung aufgrund klinischer und statistischer Heterogenität nicht möglich war.

Eine hochwertige systematische Übersichtsarbeit von Hutting et al. zeigte eine schlechte diagnostische Genauigkeit für alle evaluierten Tests auf obere zervikale Bandinstabilität, wobei diese Tests im Allgemeinen eine ausreichende Spezifität aufweisen und eine obere zervikale Bandinstabilität bestätigen können, aber die Sensitivitätsgrade variieren.

Die Inter-Rater-Reliabilität ist oft gering, was bedeutet, dass verschiedene Untersucher bei demselben Patienten zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Dies stellt ein fundamentales Problem für die klinische Anwendbarkeit dar.

Bildgebung

Funktionsaufnahmen in Flexion und Extension gelten als wichtiger Bestandteil der bildgebenden Diagnostik. Insgesamt wurden zehn lineare und winkelförmige morphometrische Parameter zur Diagnose von CCI berichtet, die hauptsächlich in lateralen Flexions- und Extensions-Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule etabliert wurden, gefolgt von dynamischer CT-Bildgebung.

Allerdings fehlen klare, evidenzbasierte Grenzwerte für pathologische Beweglichkeit. Es besteht ein Mangel an Konsens über diagnostische Bildgebungsparameter, Indikationen und Ergebnisse der chirurgischen Behandlung bei EDS-Patienten. Was bei einem Patienten als Instabilität interpretiert wird, kann bei einem anderen als normale Bewegungsvariabilität gelten.

Konventionelle Röntgenaufnahmen allein haben eine niedrige diagnostische Rate, und funktionelle MRT kann möglicherweise die Instabilität besser quantifizieren. Moderne Bildgebung wie die digitale Bewegungsanalyse (DMX) oder funktionelle MRT-Untersuchungen versprechen zwar präzisere Messungen, sind aber weder standardisiert noch flächendeckend verfügbar. Die wissenschaftliche Validierung dieser Methoden steht noch aus.

Die Rolle des Ehlers-Danlos-Syndroms und Bindegewebserkrankungen

Ein besonderer Fokus in der Diskussion um zervikale Instabilität liegt auf Patienten mit Bindegewebserkrankungen wie dem Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS), insbesondere dem hypermobilen Typ. Obere zervikale Instabilität ist eine potenziell behindernde Komplikation des hypermobilen Ehlers-Danlos-Syndroms und der Hypermobilitätsspektrumstörungen.

Die Analyse von über 8.000 digitalen Bewegungsfluoroskopien hat vier häufige Muster gefunden, wobei das erste Muster eine extreme Gesamtinstabilität in der gesamten Halswirbelsäule bei Patienten, typischerweise Frauen, mit angeborenen Hypermobilitätssyndromen wie dem Ehlers-Danlos-Syndrom darstellt.

Kritisch anzumerken ist jedoch, dass nicht jede Hypermobilität automatisch eine klinisch relevante Instabilität bedeutet. Viele Menschen mit generalisierter Hypermobilität sind beschwerdefrei. Die Kausalität zwischen radiologisch nachweisbarer Beweglichkeit und Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder kognitiven Beeinträchtigungen bleibt häufig unklar.

Bekannte Risikofaktoren

Bekannte Risikofaktoren für ligamentäre Laxität umfassen die Diagnose chronischer Patholaxität, Down-Syndrom und Bindegewebserkrankungen, wobei das Down-Syndrom spezifisch zu C1-C2-Instabilität führt. Die atlanto-axiale Instabilität wird als entwicklungsbedingte Anomalie betrachtet, die häufig bei Patienten mit Down-Syndrom auftritt und 6,8 bis 27% der Bevölkerung mit Down-Syndrom betrifft.

Chronische entzündliche Erkrankungen verursachen Synovitis und Enthesitis, was zu progressiver Instabilität führt, die durch atlanto-axiale Subluxation charakterisiert ist, wobei verschiedene Studien bei rheumatoider Arthritis und Psoriasis-Arthritis eine Inzidenz von über 40% für zervikale Wirbelsäuleninstabilität zeigen.

Symptomspektrum und Differentialdiagnosen

Die dem zervikalen Instabilitätssyndrom zugeschriebenen Symptome sind ausgesprochen heterogen und unspezifisch. Die vielen potenziellen Syndrome und Symptome, die durch ligamentäre zervikale Instabilität verursacht werden, umfassen ein breites Spektrum neurologischer und autonomer Dysfunktionen.

UCI kann verschiedene neurologische Strukturen beeinflussen, einschließlich Hirnstamm, Rückenmark, Hirnnerven und Blutversorgung zum und vom Gehirn, was zu komplexen neurologischen Zeichen und Symptomen in dieser Population führt.

Diese Symptomvielfalt ist problematisch, da sie zahlreiche Differentialdiagnosen einschließt. Besonders kritisch ist die Überlappung mit dem Symptomspektrum der kraniozervikalen Obstruktion, des Posturalen Tachykardiesyndroms (POTS), migräneartiger Kopfschmerzen oder psychosomatischer Beschwerdebilder. Eine Überattribuierung diffuser Symptome auf eine vermeintliche strukturelle Instabilität birgt das Risiko, andere behandelbare Ursachen zu übersehen.

Therapeutische Ansätze: Zwischen Evidenz und Empirik

Die therapeutischen Optionen bei vermutetem zervikalen Instabilitätssyndrom reichen von konservativen Ansätzen bis zu invasiven chirurgischen Eingriffen.

Konservative Therapie

Die Erstlinientherapie sollte aus konservativer Behandlung mit einer zervikalen Orthese und Physiotherapie bestehen, und Patienten sollten angewiesen werden, auf bestimmte Aktivitäten zu verzichten.

Eine internationale Expertengruppe empfahl eine kontinuierliche Entscheidungsfindung bezüglich der Reizbarkeit der UCI, um physikalische Untersuchungstests oder Interventionen zu vermeiden, die einen Schub auslösen könnten, sowie ein Screening auf Rot- und Gelb-Flaggen.

Die wissenschaftliche Evidenz für spezifische Physiotherapieprogramme ist begrenzt. Während stabilisierende Übungen bei unspezifischen Nackenschmerzen durchaus wirksam sein können, fehlen kontrollierte Studien speziell zur Behandlung zervikaler Instabilität. Ein generelles Problem ist die fehlende Standardisierung therapeutischer Protokolle.

Chirurgische Interventionen

Chirurgische Interventionen wie okzipito-zervikale Fusionsoperationen werden in ausgewählten Fällen durchgeführt. Dreiundfünfzig konsekutive Patienten mit diagnostiziertem EDS und schweren Kopf- und Nackenschmerzen, unteren Hirnnervendefiziten, zervikalem Medullärsyndrom, Myelopathie und radiologischen Befunden einer CCI unterzogen sich offener Reposition, Stabilisierung und okzipito-zervikaler Fusion.

Die Ergebnisse zeigen gemischte Resultate: Die Studiengruppe zeigte signifikante Verbesserungen bei Kopf- und Nackenschmerzen, verringerten Einsatz von Schmerzmedikamenten und verbesserte Karnofsky-Performance-Status-Scores, wobei auch statistisch signifikante Verbesserungen bei Übelkeit, Synkope, Sprachschwierigkeiten, Konzentration, Schwindel und Müdigkeit nachgewiesen wurden.

Allerdings ist Vorsicht geboten: Trotz der signifikanten Verbesserungen subjektiver Schmerzen und Symptome ergab die Gesamtbeurteilung der Veränderung, dass nur 75% der Patienten eine Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität berichteten, während 25% der Patienten im Nachbeobachtungszeitraum keine Verbesserung oder eine Verschlechterung insgesamt berichteten.

Chirurgische Risiken bei EDS-Patienten

Die Evidenz zu chirurgischen Komplikationen ist besorgniserregend: EDS-Patienten, die sich zervikalen Fusionsverfahren unterzogen, hatten deutlich niedrigere Pseudarthrose-Raten als Nicht-EDS-Patienten, zeigten jedoch signifikant höhere Raten von Dysphagie und Liquorlecks.

Zusätzliche langfristige chirurgische Komplikationen waren bei EDS-Patienten ebenfalls häufiger, wobei kollektiv Pseudarthrose, Implantatversagen und Revisionsraten innerhalb von ein und zwei Jahren bei EDS-Patienten eine 15-fache Erhöhung der anterioren Revisionsrate innerhalb eines Jahres im Vergleich zu ihren altersangepassten Kontrollen zeigten.

Besonders problematisch ist die Gefahr der Übertherapie: Angesichts der diagnostischen Unsicherheit und der Heterogenität der Symptome besteht das Risiko, dass Patienten invasiven Eingriffen mit erheblichen Risiken unterzogen werden, ohne dass ein klarer kausaler Zusammenhang zwischen struktureller Pathologie und Beschwerden gesichert ist.

Methodische Schwächen der vorhandenen Literatur

Eine kritische Analyse der wissenschaftlichen Literatur zum zervikalen Instabilitätssyndrom offenbart erhebliche methodische Limitationen. Viele bibliometrische Studien kamen zu dem Schluss, dass das Gebiet der Wirbelsäulenchirurgie, Schmerztherapie und Bildgebung mit Artikeln niedrigeren Evidenzgrades gesättigt ist.

Insgesamt wurden 695 EDS-Patienten in diesen Studien berichtet, von denen 78 Patienten mit CCI diagnostiziert und chirurgisch behandelt wurden, basierend auf 16 Artikeln, die zwei Fallberichte, zwei Forschungsartikel, drei Leitartikel sowie neun Originalarbeiten umfassten. Diese geringe Fallzahl und die Heterogenität der Studiendesigns erschweren eine fundierte Bewertung.

Ein fundamentales Problem ist das Fehlen einheitlicher diagnostischer Kriterien. Obwohl keine umfassenden klinischen oder radiographischen Algorithmen für die Diagnose und Behandlung von Wirbelsäuleninstabilität bei Personen mit EDS existieren, können mehrere Empfehlungen gegeben werden.

Ohne Konsens darüber, was genau ein zervikales Instabilitätssyndrom konstituiert, ist eine vergleichende Bewertung verschiedener Studien kaum möglich. Die diagnostischen Kriterien variieren zwischen Studien erheblich, was die Reproduzierbarkeit und Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse einschränkt.

Der Nocebo-Effekt und Krankheitsüberzeugungen

Ein in der Diskussion oft vernachlässigter Aspekt ist die Rolle von Krankheitsüberzeugungen und Nocebo-Effekten. Laborforschung zum Nocebo-Effekt hat demonstriert, dass dies ein neurobiologisches Phänomen ist, das sich durch nachweisbare körperliche Veränderungen manifestieren kann und gesundheitsbezogene nachteilige Konsequenzen verursachen kann.

Die Diagnose einer "Instabilität" kann bei Patienten erhebliche Ängste auslösen und zu ausgeprägtem Vermeidungsverhalten führen. Nocebo-Reaktionen haben negative Auswirkungen auf die Therapieadhärenz und verursachen unerwünschte Nebenwirkungen und Abbrüche in klinischen Studien, wobei die Kommunikation zwischen Patient und Gesundheitsdienstleistern unbeabsichtigt unerwünschte Nocebo-Effekte verursachen kann.

Nocebo-Effekte sind stärker und persistenter als Placebo-Effekte bei gesunden Individuen, wobei die Befunde die Notwendigkeit unterstreichen, frühe Anzeichen von Nocebo-Effekten nicht zu verharmlosen, da sie persistieren und ansonsten wirksame Behandlungen untergraben können, wenn sie nicht adressiert werden.

Es ist wichtig, wichtige klinische Informationen zu kommunizieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass jeder Versuch unternommen wird, negative Erwartungen zu minimieren, da die Nocebo-Reaktion die mächtige Interaktion zwischen dem therapeutischen Kontext und der Geist-Gehirn-Interaktion des Patienten hervorhebt.

Diese iatrogene Verstärkung von Beschwerden durch die diagnostische Etikettierung selbst ist ein ernstzunehmendes Problem. Eine kritische, aufgeklärte Kommunikation über Unsicherheiten in Diagnostik und Pathophysiologie wäre hier angebracht, findet aber in der Praxis oft nicht statt.

Notwendigkeit differenzierter Betrachtung

Dies bedeutet nicht, dass zervikale Instabilität als klinisches Phänomen zu negieren wäre. Es gibt zweifelsohne Patienten mit nachweisbaren strukturellen Pathologien der Halswirbelsäule, die von gezielten Interventionen profitieren. CT ist zum Goldstandard für die Diagnose geworden, wobei das Kondylus-C1-Intervall größer als 4 mm als wertvoll für die Diagnose in neueren Studien zitiert wird, und instabile Verletzungen sollten mit posteriorer okzipito-atlantaler Fusion mit interner Fixierung behandelt werden.

Beispiele sind traumatische Bandverletzungen, ausgeprägte degenerative Veränderungen mit dokumentierter Myelopathie oder angeborene Fehlbildungen wie die atlantoaxiale Instabilität bei Down-Syndrom. Die Herausforderung besteht darin, diese klar definierten Entitäten von einem diffusen "Syndrom" mit unklarer Pathophysiologie zu unterscheiden.

Radiologische Evidenz von CCI definiert nicht per se klinisch signifikante CCI, da pathologische klinische Instabilität das Vorhandensein neurologischer Instabilität erfordert, die sich durch Schmerzen, Symptome und Defizite zeigt, die auf die kraniozervikale Verbindung zurückzuführen sind, zusätzlich zu radiologischen Anzeichen von Instabilität.

Forschungsbedarf und zukünftige Perspektiven

Um das Konzept des zervikalen Instabilitätssyndroms auf eine solidere wissenschaftliche Basis zu stellen, sind mehrere Schritte notwendig:

Erstens bedarf es eines internationalen Konsensus zu diagnostischen Kriterien. Die Entwicklung prospektiver, multizentrischer Studien zur Validierung der klinischen Indikationen und Behandlung wird dringend empfohlen, mit der Notwendigkeit, dynamische Studien zu standardisieren, normative radiologische Interpretation abnormer Befunde zu etablieren und Daten zu aggregieren.

Nur durch Standardisierung können vergleichbare Studien durchgeführt und Ergebnisse akkumuliert werden.

Zweitens sind prospektive, kontrollierte Studien mit ausreichender Stichprobengröße erforderlich. Die Autoren merken an, dass dies eine retrospektive Studie ohne Kontrollgruppe war, sodass sie keine definitiven Kriterien für CCI-Chirurgie validieren können, sondern nur deren Angemessenheit ihrer Meinung nach basierend auf der vorliegenden Patientenpopulation beurteilen können.

Diese sollten nicht nur Surrogatparameter wie radiologische Messwerte erfassen, sondern patientenrelevante Outcomes wie Schmerz, Funktion und Lebensqualität untersuchen.

Drittens sollten moderne Forschungsmethoden wie quantitative MRT-Analysen, computergestützte Bewegungsanalysen und biomechanische Modellierungen eingesetzt werden. 3D-Finite-Elemente-Analysemodelle und Motion-Capture-Systeme haben das Potenzial, unser Verständnis der pathoanatomischen Kaskade sowohl bei traumatischen als auch nicht-traumatischen Fällen von oberer zervikaler Wirbelsäuleninstabilität zu verbessern.

Viertens ist eine sorgfältige Charakterisierung von Subgruppen notwendig. Es ist unwahrscheinlich, dass alle Patienten mit vermeintlicher zervikaler Instabilität eine homogene Gruppe bilden. Die Identifikation von Subtypen könnte zu präziseren diagnostischen und therapeutischen Ansätzen führen.

Fazit

Das zervikale Instabilitätssyndrom bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen klinischer Beobachtung und wissenschaftlicher Evidenz. Während die subjektive Belastung betroffener Patienten real und ernst zu nehmen ist, bleibt die objektive Validierung dieses Krankheitsbildes eine Herausforderung.

Eine kritische, wissenschaftlich fundierte Herangehensweise erfordert Zurückhaltung bei vorschnellen Diagnosen und invasiven Therapien. Trotz zunehmender Anerkennung der Herausforderungen und Komplikationen des Ehlers-Danlos-Syndroms durch Wirbelsäulenchirurgen gibt es wenig Daten, die vorgeschlagene radiographische Parameter für Wirbelsäuleninstabilität bei EDS-Patienten unterstützen, und es fehlt hochwertige Evidenz bezüglich der Wirksamkeit chirurgischer Behandlungen für chronische behindernde Schmerzen in dieser Population.

Gleichzeitig sollten legitime Forschungsbemühungen unterstützt werden, um Klarheit über Existenz, Prävalenz und optimale Behandlung dieses umstrittenen Syndroms zu gewinnen.

Für die klinische Praxis bedeutet dies:

  • Eine gründliche differentialdiagnostische Abklärung
  • Eine evidenzbasierte Indikationsstellung für Interventionen, insbesondere bei chirurgischen Eingriffen
  • Eine transparente Kommunikation über diagnostische Unsicherheiten mit den Patienten
  • Die Berücksichtigung von Nocebo-Effekten und psychosozialen Faktoren
  • Die Vermeidung einer Pathologisierung normaler anatomischer Variabilität
  • Ein individualisierter Ansatz, der die Heterogenität der Patienten respektiert

Die wissenschaftliche Debatte um das zervikale Instabilitätssyndrom ist noch nicht abgeschlossen – und genau diese kritische Auseinandersetzung ist essentiell für den Fortschritt in der Medizin. Die Balance zwischen therapeutischem Nihilismus und unkritischem Interventionismus zu finden, bleibt die zentrale Herausforderung für Kliniker und Forscher gleichermaßen.


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