Differenzierte Schmerzanalyse:
Die Neck Pain Map und Gewebefestigkeit
Neck Pain Map - Verstehen, warum der Nacken schmerzt
Nackenschmerzen sind häufig – ihre Ursachen jedoch selten eindeutig.
In unserer täglichen Praxis sehen wir immer wieder Patientinnen und Patienten mit ausgeprägten Beschwerden, bei denen Bildgebung,
Standarduntersuchungen oder frühere Therapien keine schlüssige Erklärung geliefert haben.
Genau hier setzt die Neck Pain Map an.
Sie ist ein von uns entwickeltes diagnostisches Verfahren, mit dem wir Nackenschmerzen systematisch, differenziert und nachvollziehbar erfassen – jenseits einer rein „druckschmerzhaften Stelle“.
Was wir mit der Neck Pain Map untersuchen
Im Zentrum steht eine standardisierte segmentale Palpationsuntersuchung der Halswirbelsäule und angrenzender Strukturen.
Dabei prüfen wir definierte anatomische Punkte, unter anderem:
- die oberen und mittleren Halswirbelsäulensegmente (C0–C7/Th1)
- parazervikale Muskulatur und Trapezius
- Scaleni und Sternocleidomastoideus
- erste Rippe
- Atlasregion
- Kiefergelenk und Kaumuskulatur
Der Druck ist dabei bewusst standardisiert – nicht suchend, nicht variabel.
Jeder Punkt wird vom Patienten unmittelbar auf einer numerischen Ratingskala (NRS 0–10) bewertet.
So entsteht kein einzelner „schmerzhafter Punkt“, sondern ein strukturiertes Schmerzprofil.
Warum diese Form der Untersuchung so wertvoll ist
Entscheidend ist nicht nur ob ein Punkt schmerzhaft ist, sondern:
- wie viele Punkte reagieren
- wie stark bereits geringer Druck schmerzt
- wie symmetrisch oder asymmetrisch die Reaktionen sind
- ob das Muster anatomisch plausibel oder diffus verteilt ist
Aus der Gesamtschau ergibt sich die Neck Pain Map – eine visuelle Darstellung, die uns und dem Patienten auf einen Blick zeigt, welche Art von Schmerzmechanismus wahrscheinlich im Vordergrund steht.
Beispielhafte Muster (lokaler orthopädischer Befund, unauffälliger Befund, Sensibilisierung) sind in den anonymisierten Patientenbeispielen dargestellt .
Ein zentraler Punkt: lokal oder sensibilisiert?
In der klinischen Praxis ist diese Unterscheidung entscheidend.
Lokale, orthopädisch-funktionelle Muster zeigen meist:
- klar begrenzte, segmentale Druckschmerzen
- eine Seitendominanz
- eine nachvollziehbare Zuordnung zu Gelenken, Muskeln oder myofaszialen Strukturen
Hier sind gezielte manuelle, funktionelle oder interventionelle Therapien sinnvoll.
Hinweise auf eine Schmerzsensibilisierung zeigen sich dagegen häufig durch:
- viele schmerzhafte Punkte über mehrere Segmente hinweg
- eine eher symmetrische Verteilung
- ausgeprägte Schmerzreaktionen bereits bei geringem Druck
- einen erhöhten Gesamt-Schmerzindex
In diesen Fällen reagiert nicht nur das Gewebe, sondern das Nervensystem insgesamt überempfindlich.
Lokale Maßnahmen allein greifen dann häufig zu kurz oder verstärken die Beschwerden sogar!
Warum wir zusätzlich objektiv die Festigkeit der Muskulatur messen
Viele Patientinnen und Patienten berichten uns von einer ähnlichen Erfahrung:
Bei früheren Untersuchungen wurde der Nacken abgetastet, und schnell fiel die Einschätzung, die Muskulatur sei „extrem verspannt“ oder „ungewöhnlich fest“.
Dieses Empfinden können wir gut nachvollziehen – denn das Gefühl von Spannung, Enge oder Härte im Nacken ist bei chronischen Nackenschmerzen sehr häufig.
In der objektiven Untersuchung zeigt sich jedoch etwas Entscheidendes: Die Muskulatur ist nicht immer tatsächlich so fest, wie es sich anfühlt.
Gerade bei länger bestehenden Beschwerden besteht aber oft eine Diskrepanz zwischen subjektivem Spannungsgefühl und tatsächlicher Gewebesteifigkeit. Das erklärt, warum Massagen oder rein manualtherapeutische Behandlungen in vielen Fällen nur kurzfristig helfen oder keine nachhaltige Besserung bringen.
Um diese Unterscheidung klar treffen zu können, ergänzen wir die Neck Pain Map durch eine objektive Messung der Gewebefestigkeit.
Neben der Ultraschall-Elastografie setzen wir hierfür das Indento-Pro-Messsystem ein. Mit diesem Verfahren lässt sich präzise erfassen, wie Muskulatur und Bindegewebe auf einen definierten Druck reagieren – also wie weich oder nachgiebig das Gewebe tatsächlich ist.
Der Vorteil liegt darin, dass wir nicht allein auf Tastempfinden oder subjektive Eindrücke angewiesen sind, sondern reproduzierbare Messwerte erhalten. So können wir unterscheiden, ob eine lokale strukturelle Verhärtung vorliegt – oder ob das ausgeprägte Spannungsgefühl eher Ausdruck einer veränderten Schmerzverarbeitung ist.
Diese Kombination aus Neck Pain Map und objektiver Gewebemessung ermöglicht eine präzisere Einordnung Ihrer Beschwerden und bildet eine wichtige Grundlage für eine gezielte, individuell angepasste Therapie.
Gerade die Kombination der Untersuchungen ist aufschlussreich:
- hohe Schmerzangabe bei unauffälliger Gewebemechanik → Hinweis auf Sensibilisierung
- lokale Steifigkeit mit korrespondierendem Schmerz → funktionell-struktureller Fokus
Die Neck Pain Map und die Messung der Gewebefestigkeit helfen uns, Beschwerden einzuordnen statt zu vereinfachen – und gemeinsam mit Ihnen ein Vorgehen zu wählen, das zur individuellen Situation passt.