Funktionen und Ihre Bedeutung für Nacken und Halswirbelsäule

Die Halswirbelsäule trägt unseren Kopf. Sie besitzt also in erster Linie eine wichtige Haltefunktion. Weiterhin ermöglicht sie Bewegungen in allen drei Ebenen (Vor/-Rückneigung, Seitneigung, Rotation). Diese gleichzeitige Anforderung an Statik und Dynamik wird durch das komplexe Zusammenspiel der lokalen Funktionen Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Haltung gewährleistet.

Können bei Nackenbeschwerden keine lokalen Funktionsstörungen zugeordnet werden, ist zu empfehlen, zusätzlich übergeordnete Bereiche wie z.B. Kaumuskulatur und Augen in die Funktionsdiagnostik einzubeziehen.

 

Lokale Funktionen

Haltung

Eine normale Haltung der Halswirbelsäule (physiologische Lordose) bedingt einen möglichst geringen Kraftaufwand, um den Kopf zu positionieren. Auch zivilisationsbedingt (langes Sitzen am Schreibtisch vor dem PC) findet sich häufig eine Streckfehlhaltung der Halswirbelsäule, was zu einer erhöhten Belastung der einzelnen Segmente und der halswirbelsäulenführenden Muskulatur führt. Für eine physiologische Haltung der Halswirbelsäule ist die richtige Ansteuerung der zugehörigen Muskulatur erforderlich.

Beweglichkeit

Die Halswirbelsäule ist der beweglichste Abschnitt der gesamten Wirbelsäule. Dadurch lässt sich der Kopf mit einem relativ großen Bewegungsumfang in alle Richtungen des Raumes bewegen. Nach vorne und hinten durch Beugung (Inklination) und Streckung (Reklination), zur Seite durch Seitneigung (Lateralflexion) und nach rechts und links durch eine Drehung (Rotation) der Halswirbelsäule. Im Allgemeinen erfolgt eine Kombinationsbewegung in verschiedenen Ebenen. Dies gewährleistet eine Beweglichkeit des Kopfes mit seinen Sinnesorganen in alle Richtungen, um verschiedenste Umweltreize wahrzunehmen.

Die gute Beweglichkeit der Halswirbelsäule bringt jedoch auch eine vergrößerte Störanfälligkeit mit sich. Eine reduzierte Beweglichkeit kann zu einer diesbezüglichen Einschränkung führen, kompensatorische Bewegungen in anderen Wirbelsäulenabschnitten können zu einer dortigen Überlastung führen. Eine vermehrte Beweglichkeit der Halswirbelsäule ist im Allgemeinen assoziiert mit einer reduzierten Stabilität. Es kann wiederholt zu Reizungen/Blockierungen einzelner Segmente kommen.

Koordination

Insbesondere der obere Teil der Halswirbelsäule mit seiner großen Rezeptorendichte (Propriozeptoren) spielt eine große Rolle für die Wahrnehmung des Körpers im Raum. Störungen dieser Region können zu einer allgemeinen Koordinationseinschränkung führen. Hinsichtlich der muskulären Funktion ist eine richtige Ansteuerung der halswirbelsäulenbegleitenden Muskulatur für eine physiologische Haltung und Bewegungsausführung der Halswirbelsäule entscheidend.

Bei einer verminderten Bewegungskoordination der Halswirbelsäule besteht das Risiko einer Fehlbelastung mit Nackenverspannung und möglichen Folgeschäden.

Kraft

Die Halswirbelsäule muss für ihre eher zarte Konstruktion relativ große Kräfte aufnehmen und verarbeiten. 

Dabei kann sie, je nach Art und Weise der auftretenden Kräfte, sehr unterschiedlich auf die Belastungen reagieren. Um beispielsweise eine (tagtäglich) länger andauernde Kopfhaltung zu gewährleisten, ist eine ausreichende Kraftausdauer der HWS-umgebenden Muskulatur notwendig. Eine gut ausgeprägte Maximalkraft und Schnellkraft können die Halswirbelsäule bei ruckartigen oder unvorhergesehenen Bewegungen vor stärkeren Reizungen/Verletzungen schützen.

Bei einem Kraftdefizit ist die Belastbarkeit der Halswirbelsäule reduziert. Es kommt frühzeitig zu Überlastungssymptomen wie Verspannungen der Nacken-Schultermuskulatur und einem Gefühl der Kopfschwere.

Umgebende Funktionen

Kiefer und Kaumuskulatur

Aufgrund der neuronalen Verschaltungen zwischen Kiefer und Kaumuskulatur und der Halswirbelsäule können Störungen des Kauapparates mit Nackenbeschwerden einhergehen, insbesondere eine Tendenz zum Zusammenpressen der Zähne (Bruxismus). Diese kann im Rahmen von Stressverarbeitung unbemerkt in der Nacht bestehen, kann zu besonders morgens vorhandenen Verspannungen der Kaumuskulatur/der Kieferregion führen. Gegebenenfalls lässt sich zahnärztlicherseits auch ein vermehrter Zahnabrieb feststellen. U.a. durch eine Aufbissschiene/Knirscherschiene kann dies adressiert werden. Ein fehlerhaftes Gebiss mit Zahnkontaktstörung führt zu einer asymmetrischen Beanspruchung der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke mit möglicherweise fortgeleiteten Nackenbeschwerden. Auch eine Bewegungseinschränkung der Kiefergelenke z.B. aufgrund von Gelenkschäden/Arthrose kann sich konsekutiv auf den Nacken auswirken.

Orientierung, Sehen und Hören

Einschränkungen der durch die Hirnnerven vermittelten Sinneswahrnehmungen wie Sehstörungen, Hörstörungen oder Störungen des Gleichgewichts können aufgrund von neuronalen Verschaltungen in unteren Gehirnregionen zu Problemen der Halswirbelsäule/Nackenverspannungen führen. Darüber hinaus kann es kompensatorisch zu einer asymmetrischen Kopfhaltung mit entsprechender Fehlbelastung der Halswirbelsäule kommen.

Körperhaltung

Störungen der Körperhaltung auf verschiedenen Ebenen können sich über aufsteigende muskuläre und bindegewebige Funktionsketten auf die Halswirbelsäule auswirken. Bei der ursächlichen Abklärung von Nackenbeschwerden sollten daher unter anderem eine Überprüfung von Fußhaltung, Beinachsen, Beckenstellung und Rumpfwirbelsäulenhaltung erfolgen. Fehlhaltungen in unteren Körperregionen können aufsteigend zu einer asymmetrischen Haltung und damit Fehlbelastungen der Halswirbelsäule führen.

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