Was tun, wenn keine körperlichen Ursachen gefunden werden?

Wenn trotz vieler, oft auch wiederholter, Untersuchungen die aufgesuchten Ärzte, zumeist Orthopäden und Neurologen, keine Ursache für die Beschwerden finden, ist dies für den Patienten eine schwierige Situation.

In vielen Fällen wird den Patienten dann gesagt, das sie sich an den Schmerz gewönnen müssten und man nichts machen könne.
Oder es wird nur gesagt: "Sie haben nichts, das ist einfach der Stress".
Oft hören wir in der Nacken.clinic dann von Patienten:

  • "Ich bilde mir die Beschwerden doch nicht ein." oder "Ich habe es doch nicht im Kopf."
  • "Die haben gesagt, das ist alles psychisch.
    Aber mir geht es doch gut, das was mich stresst sind einfach diese Beschwerden."
  • "Ich weiß das ich Stress habe, aber warum kribbelt es dann bei bestimmten Bewegungen?"
  • "Ich war sogar schon beim Psychologen, das hat aber auch nichts gebracht."

Manche Patienten resignieren oder suchen  immer wieder andere Ärzte, Therapeuten und Heiler in der Hoffnung auf Hilfe auf.
So können lange Leidensgeschichten entstehen.

 

Aber wie können wir die Ursachen der Beschwerden verstehen
wenn Ärzte keine Ursache der Beschwerden finden?

Der wichtigste Schritt ist, das wir die Erklärungen der Ärzte richtig interpretieren und das unausgesprochene, die versteckte Gesamtbedeutung des Satz "wir finden nichts- sie haben nichts" erkennen.

Denn Unausgesprochenes mit eingeschlossen muß dieser Satz heißen:

Wir haben

  • mit unseren Untersuchungsmethoden
  • und unserem Verständnis von dem was Ihre Beschwerden auslösen könnte,
  • keine messbare oder optisch darstellbare Ursache

    Ihrer Beschwerden gefunden.

So werden die Einschränkungen dieser Beurteilung offensichtlich und es ermöglicht uns über die Grenzen, den fachspezifischen Tellerrand, zu schauen.

Damit werden auch 3  versteckte Vorannahmen dieser Aussage deutlich, die jedoch nicht richtig sind:

1. Nackenbeschwerden und die weiteren Symptome müssen durch strukturelle Veränderungen an den Nackenorganen hervorgerufen werden.

2. Diese Veränderungen müssen so sichtbar sein, das sie mit Röntgen, MRT, Blutwerten oder neurologischen Untersuchungen feststellbar sind.

3. Die Veränderungen müssen so deutlich ausgeprägt sein, das sie die Beschwerden nach allgemeinem Verständnis erklären können.

 

Richtig ist:

1. Nackenschmerzen können, müssen aber keine strukturelle, d.h. organische Ursache haben

Das offensichtliche  organische Auffälligkeiten, wie z.B. eine große Entzündung, Tumoren oder ein Bandscheibenvorfall der auf einen Nerv drückt,
Nackenschmerzen verursachen können ist selbstverständlich.

Der nach unserer Erfahrung wesentlich wichtigere Punkt ist, dass Schmerzen,
besonders chronische Schmerzen, keine strukturelle (organische) Ursache haben müssen.
Aber was verursacht dann die Beschwerden?

Ursachen die wir NICHT sehen:

a) Störungen der Funktion

Beim Kardiologen oder Internisten wäre es undenkbar, Untersuchung eines Organ ohne Funktionstest.
Das wäre doch, als würde der Mechaniker bei Ihrem Auto die Motorhaube öffnen, den Motor anschauen und sagen: "Sieht doch gut aus."
Welche Aussage hätte eine Herzuntersuchung ohne Funktionstest mit Belastungs-EKG?
In der Orthopädie ist dies immer noch fremd.
Dabei gibt es auch hier  eindeutige und messbare Funktionsstörungen der Halswirbelsäule:

  • Überbeweglichkeits- und Instabilitätssyndrom
  • Relevante Kraft-, Koordinations- oder Haltungsschwäche
  • Neuromuskuläre cervicale Dysbalance

In diesen Fällen kann das Röntgen, MRT, das Blut und die neurologische Untersuchung ganz unauffällig aussehen,
trotzdem "funktioniert" die Halswirbelsäule nicht.

 

b) Störungen des Schmerz-Nervensystem

Wir wissen das Schmerzen auf verschiedenen Ebenen unseres Körpers entstehen können, die bewusste Wahrnehmung, das "Spüren" der Schmerzen findet jedoch im in unserem zentralen Nerensystem im Gehirn, im "Kopf", statt.
Bei Phantomschmerzen, wie sie nach dem Verlust, z.B. eines Beines einhergehen können, ist uns schon lange bekannt, dass Schmerzgefühl und Schmerzort nicht zusammen passen müssen.
Aber auch bei etwas medizinisch sehr einfach zu erklärendem wie einem Bandscheibenvorfall ist das sofort ersichtlich:
Wenn ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule auf einen Nerv drückt sind genau die mit diesem Nerv verbundenen Areal schmerzhaft oder gestört.
Das können dann Schmerzen im Oberarm, Kribbeln in den Fingern oder eine reduzierte Kraft beim Heben sein.
Würden wir in diesen Situationen die Schulter, den Arm oder die Hand behandeln?
Sicher nicht, und das wäre natürlich richtig so.
Störungen im Schmerz-Nervensystem können verschiedene Bereiche dieses Systems betreffen:
Störungen der Nervenleitung, Störung des Nerven selbst (Nervenentzündung) und Störung der "Software" die den Schmerz im Gehirn interpretiert.

- Störungen der peripheren Schmerzleitung

- Einengung oder Druck auf den Nerv (Engpasssysndrome):

  • Karpaltunnelsyndrom (CTS)
  • Oberes Impingmentsyndrom (Thoracic Outlet Syndrom (TOS))
  • Entzündung des Nerven (Neuritis, Armplexusreizung)

- Überlagernde Störungen

  • Schulterentzündung oder Impingment

- Störungen der zentralen Schmerzempfindlichkeit im Gehirn

  • Schmerzsensibilisierung
  • Schmerzgedächtnis
  • Stressinduzierte Hyperalgesie

- Störungen der zentralen Schmerzinterpretation im Gehirn

  • Somatoformes Schmerzsyndrom

 

c) Störungen anderer Systeme mit Auswirkung auf den Nacken

  • Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), Zahn-und Bissstörungen
  • Skoliose und Beinlängendifferenz
  • Erkrankungen innerer Organe, insbesondere Stoffwechselstörungen, Schilddrüsenstörung, Hormonstörungen

 

Zu 2. und 3. :
Weitere Informationen und Erklärungen zu den Ursachen von Nackenschmerzen die nicht organisch zu sehen sind finden Sie auf unseren Unterseiten.

 

Fazit

Es gibt sehr viele verschiedene Ursachen für Nackenschmerzen die sich nicht In den klassischen Untersuchung der Struktur (Röntgen und MRT) erfassen lassen.

Neben Störungen der Funktion, die nur durch Funktionstest (wie z.B. ein Belastungs-"EKG" ) zu diagnostizieren sind,
haben Störung der Schmerzleitung und Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem eine hohe Bedeutung.

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