Behandlung aktiviertes Schmerzsystem

Ein zu stark aktiviertes Schmerzsystem kann zu vielfältigen Veränderungen in unserem Schmerzempfinden führen.
Das fatale ist, dass sich der Schmerz, ganz unabhängig wie er entsteht, für uns immer wie ein lokaler Schmerz anfühlt und wir nicht unterscheiden, wo im Körper er wirklich entsteht.

Nehmen wir das Besispiel eines Phantomschmerz, wo ein Schmerz in einem Körperteil, z.B. einem Zeh wahrgenommen wird, obwohl der Zeh amputiert wurde.

Um unsere Schmerzreaktionen besser zu verstehen müssen wir uns mit den verschiedenen Anteilen unseres Nervensystems beschäftigen. Die wichtigsten Bereiche sind:

  • Das Schmerz-System
    Hier besonders mit dem Thema der Schmerzsensibilisierung.
  • Das Emotions-System
    Emotionen, Gefühle wie Freude, Ärger, Angst, Wut oder Wohlbefinden signalisieren uns, ob es uns gut geht oder ob etwas unser Innenleben stört. Implizit damit verknüpft lösen Emotionen, genau wie das Schmerzsystem motorische Handlungsimpulse aus (siehe "das motorische System").
    Unsere Erfahrungen, insbesondere die der Kindheit und besondere Lebensereignisse prägen uns, wie wir Störungen wahrnehmen, bewerten und welche Emotionen sie in uns auslösen.
  • Das autonome (vegetative) Nervensystem
    Insbesondere die Funktion und das Zusammenspiel
    von Sympathicus und Parasympathicus (dem Vagusnerv).
  • Das motorische-System
    Alle Bereiche des steuernden Nervensystems dienen zur Sicherung unseres Lebens und führen automatisch zur Aktivierung des motorischen Systems. Die fest im Nervensystem programmierten Antworten auf Reize sind z.B.:
    Entspannen, anspannen, aufrichten, weglaufen, kämpfen, zurückziehen, Tod stellen.

Hier finden Sie eine allgemeine Übersicht von Möglichkeiten
die verschiedenen Anteile des bei Schmerzen aktivierten Nervensystem zu mehr Gleichgewicht zu verhelfen.

Da die Ausgangssituation und Grundaktivität der beiden Anteile des autonomen Nervensystems, Sympathikus und Parasympathikus bei jedem Patienten in einem unterschiedlichen Verhältnis stehen, können dies nur allgemeine Hinweise sein.

Welche Verfahren für sie besonders geeignet und hilfreich sind, oder welche eher ungünstig wirken,
kann nur im gemeinsamen ärztlichen Gespräch entschieden werden.

In vielen Situationen können Sie die Wirkung aber auch  gut selbst beurteilen.

Verfahren, die positive Wirkung haben, werden fast immer während der Anwendung und im nachhinein als angenehm empfunden, auch wenn manchmal, z.B. bei der Kältetherapie,  eine erste Überwindung erforderlich ist.

Naturheilkundliche und physikalische Behandlungen

  • Bewegungstherapie und moderate Ausdauerbelastung
    (Walken, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen, Joggen)
  • Eisabreibungen, Kälte
    reduziert die Aktivität der Schmerzzellen.
    Achtung: Wärmeanwendung kann auf Dauer die Schmerzempfindlichkeit erhöhen!
  • Kältetherapie (Eisauflage, Kältekammer)
  • Hydrotherapie/Wasseranwendungen (kalte Güsse, Kneipp des Wassertreten, Saunagänge, Dampfbäder)
  • Hydro-Kolon Therapie (Trinken von warmem Wasser und sanfte Bauchmassage)
  • Bindegewebsmassage, Nutzung einer Faszienrolle
  • Kinesiotaping
  • Gesunde/hochwertige Ernährung zum Aufbau einer gesunden Darmflora
  • Phytotherapie/pflanzliche Heilmittel (Johanniskraut und Passionsblume, Förderung der Nachtruhe mit Baldrian, Hopfen, Melisse), z.B. Kombinationsarzneimittel Neurapas, Kytta sedativum
  • Homöopathie (z.B. Polyxan blau, Simvita)
  • Schüssler Salze (Kalzium phosphoricum Nr. 2, Kalium phosphoricum Nr.5, Magnesium phosphoricum Nr. 7)
  • Aromatherapie: Weihrauch, Lavendelöl.

Biofeedback

  • Muskel- (EMG)- Feedbacktraining
  • Atem-, Hauttemperatur-Feedbacktraining
  • HRV-Training

Körpertherapeutische Übungen

Die beste Wirkung erzielen Sie wenn Sie bei den Übungen Konzentration (Achtsamkeit), Bauchatmung (längere Ausatmung) und Bewegung verbinden.

  • Meditation

  • Yoga

  • Tai Qi

  • Feldenkrais

  • Atemtraining

  • Autogenes Training

  • Progressive Muskelentspanung nach Jacobson.

Psychologisches Schmerz-Verhaltenstraining

  • Achtsamkeits-Training
  • Verhaltenstherapie

Medikamentöse Therapie

  • Das genaue Vorgehen und die Dosierung muss im Detail mit ihrem behandelnden Arzt vor Ort oder engmaschig mit uns besprochen werden.

 

Die angegebenen Maßnahmen können parallel erfolgen und sich gegenseitig in der Wirkung verstärken.

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